Archiv der Kategorie: British Sunday

Wer hierzulande den Begriff „British Comedy“ hört, denkt an die Monty Pythons, Mr. Bean, Little Britain und vielleicht noch The Office. Doch haben die britischen Inseln in punkto Comedy noch viel mehr zu bieten und eine lange, bewegte Geschichte hinter sich. Stets geprägt von ihrer Zeit, von unterschiedlichen Herangehensweisen und kreativen Impulsen, hat sich die Britische Komödie vom bloßen Instrument der Unterhaltung zu einem zeitgenössischen Kulturgut entwickelt. In dieser Reihe wollen wir einige ihrer Meilensteine vorstellen und die Fragen klären: WAS WAR DAVOR? WAS KAM DANACH?

British Sunday # 20: The Secret Policeman’s Ball

1976 initiierten die Comedians John Cleese und Martin Lewis, sowie Peter Luff, seines Zeichens stellvertretender Direktor von Amnesty International, eine Reihe unterhaltsamer Benefizveranstaltungen mit diversen Vertretern der britischen und internationalen Comedyszene, sowie Musikern und anderen Künstlern. Die ersten beiden Veranstaltungen trugen noch die Titel A Poke in the Eye (1976) und The Mermaid Frolics (1977), ab 1979 setzte sich aber The Secret Policeman’s Ball durch.

John Cleese brachte etliche seiner KollegInnen zu der Veranstaltung, unter anderem vielversprechende Neuentdeckungen wie den damals noch kaum bekannten Rowan Atkinson oder The Ken Campbell Roadshow (mit Sylvester McCoy, später bekannt als der Siebte Doctor in Doctor Who) und auch persönliche Vorbilder wie Peter Cook und Dudley Moore, mit deren Beyond the Fringe (siehe British Sunday #1) er aufgewachsen war. Im weiteren Verlauf kamen auch einige Musikacts wie U2, Duran Duran oder die Stereophonics hinzu. Die Reihe fand bis heute zahlreiche Fortsetzungen und schuff international auch ein breiteres Bewusstsein für die britische Comedyszene.

Mit der folgenden Aufzeichnung des The Secret Policeman’s Ball von 1979 beenden wir die Reihe British Sunday. Wir hoffen sie war für euch so unterhaltsam wie informativ und hat ein Bewusstsein für die Vielfältigkeit der britischen Comedy geschaffen.

British Sunday # 19: Absolutely Fabulous

Aufmerksamen Lesern wird aufgefallen sein, dass die bisherigen Beiträge stark männlich besetzt waren. Der Autor dieser Zeilen wollte damit keineswegs die Rolle der Frauen in der britischen Comedy schmälern, die mit so großartigen Legenden wie Joyce Grenfell, Victoria Wood, Emma Watson, Tracy Ullman, Catherine Tate, Lorna Watson & Ingrid Oliver, Tamsin Greig, Michelle Gomez und Miranda Hart bestens vertreten sind. (Sorry for that!)

Den größten Einfluss weiblicher Comedians auf die zeitgenössische, britische Comedy und auf weiblich zentrierte Sitcoms im allgemeinen, hatte die Sitcom Absolutely Fabulous von und mit Jennifer Saunders und Joanna Lumley. Sie basiert auf einer Nummer die Saunders und Dawn French 1990, für ihre Sketchshow French & Saunders* entwickelt hatten. Ad Fab, wie die Sitcom auch genannt wurde, lief 1992 an und entwickelte sich rasch zu einem großen Hit. Die verrückten Eskapaden der trinksüchtigen PR-Agentin Edina Monsoon** (Saunders) und ihrer Freundin Patsy Stone (Lumley) zählten zum Schärfsten was die 1990er zu bieten hatten und einzelne Folgen schafften es auf die Bestenlisten etlicher Magazine und Filminstitute. 2016 wurde ein gleichnamiger Kinofilm produziert, welcher derzeit das letzte Projekt der Reihe darstellt.

Absolutely Fabulous hatte 2001 einen Ableger in Frankreich namens Absolument fabuleux, in dem Jennifer Saunders und Catherine Deneuve einen Gastauftritt hatten. Ein von Roseanne Barr geschriebenes, amerikanisches Remake mit Carrie Fisher und Barbara Carrera, schaffte es nicht in die Endphase, das gesammelte Material wurde aber in der letzten Staffel von Roseanne verwendet, in der Edina und Patsy sogar einen Gastauftritt hatten. Überhaupt hatte Absolutely Fabulous einen großen Einfluss auf Sitcoms mit starken weiblichen Charakteren wie Roseanne, Cybill und High Society.

French & Saunders selbst baute auf den Trend der Alternative Comedy der 1980er auf, lief sehr erfolgreich von 1987 – 2007 und galt als eine der höchstbudgetierten Produktionen der BBC.
** Eine liebevolle Referenz auf Saunder’s Gatten Adrian Edmondson (siehe British Sunday #3) der auch das Pseudonym Eddy Monsoon benutzte.

British Sunday # 18: Black Books

1998 produzierte der irische Comedian und Autor Dylan Moran die Pilotfolge einer Sitcom die heute zu den ikonischten Sitcoms unserer Zeit gehört. Graham Linehan (The IT Crowd, siehe British Sunday # 14) der diesen noch sehr düsteren Prototypen sah und Moran bei einer seiner Bühnenshows in Dublin erlebt hatte, war sofort Feuer und Flamme für das Projekt und stieß als Co-Autor dazu. Gemeinsam brachten sie Black Books auf den Weg, das zwischen 2000 – 2004 auf Channel 4 lief.

Dylan Moran selbst spielt den griesgrämigen, stets betrunkenen Buchladenbesitzer Bernhard Black, Bill Bailey seinen tatkräftigen, aber vertrottelten Assistenten Manny Bianco und Tamsin Greig ihre energische, sich oft selbst überschätzende Nachbarin Fran Katzenjammer. Dem Alkoholspiegel des Trios zum Trotz ist die Serie gespickt mit cleveren Ideen, schlagfertigem Witz und ausgeklügelten Handlungsbögen. Zu den erwähnenswerten Gästen zählen Martin Freeman, Simon Pegg, Nick Frost, David Walliams und Olivia Colman. Auch erwähnenswert: Black Books ist die britische Lieblingssitcom von Stefan B Findeisl.

British Sunday # 17: Douglas Adams

Douglas Adams (1952 – 2001) ist vielen als Autor der Hitchhikers Guide To The Galaxy-Reihe, der dazugehörigen Adaptionen für Radio und Fernsehen, sowie der Bücher um den holistischen Privatdetektiven Dirk Gently ein Begriff. Dass dies nur einen kleinen Teil seines Schaffens ausmacht wird aber oft übersehen…

So war Adams neben Neil Innes der einzige Aussenstehende der einen Sketch für den Monty Python’s Flying Circus schreiben durfte. Ein Job den er seiner langjährigen Freundschaft mit Graham Chapman verdankte, den er während ihrer gemeinsamen Zeit bei den Cambridge Footlights kennengelernt hatte. Nach Ende des Flying Circus versuchten sich Chapman und Adams an einer eigenen Sketchreihe, die Out of the Trees heißen, es aber über den 1976 produzierten Piloten nicht hinaus schaffen sollte. (Siehe unten)

Zwischenzeitlich hielt sich Adams mit einigen kleinen Jobs über Wasser, darunter als Krankenhausportier, Hühnerstallreiniger und Bodyguard einer reichen, katarsischen Familie. Er schrieb und führte auch Sketche beim Edinburgh Fringe-Festival auf, ansonsten fand er kaum Abnehmer für seine Schreibarbeiten. Die BBC bot ihm schließlich an ein Hörspiel zu schreiben, für das er bereits einige vage Ideen hatte, als er auf eine Reise quer durch Europa ging. In Innsbruck kam ihm die Idee für The Hitchhikers Guide To The Galaxy, das 1978 für BBC Radio 4 umgesetzt wurde und ihm endlich zum Durchbruch verhalf. Dem Hörspiel folgte ab 1979 die Romanreihe und 1981 eine Adaption für’s Fernsehen (siehe British Sunday # 10). In der Zeit schrieb er auch für einige andere BBC-Produktionen, darunter die heute noch laufende Science-Fiction-Serie Doctor Who.

Mit seinem einzigartigen Humor und seinen revolutionären Ideen hat Douglas Adams ein reichhaltiges Erbe hinterlassen und die zeitgenössische Science-Fiction ebenso beeinflusst, wie die britische Comedyszene.

 

British Sunday # 16: Dare to Believe


Dare To Believe war eine zwischen 2002 – 04 produzierte Sketchshow die im Morgenprogramm von ITV lief. Sie verband surreale Comedy mit Konzepten des Dadaismus und zeigte eigentlich weniger Sketches als eine Abfolge skurriler Sequenzen mit teils hypnotischem, teils aktionistischem Charakter. Geschrieben und umgesetzt wurde sie von Tim de Jongh (aka Tim Scott), Tim Firth und Michael Marshall Smith, Hörern von BBC Radio 4 auch bekannt für die Radiocomedy And Now in Colour. Als Voice-Actor war zudem der mittlerweile verstorbene Patrick Allen zu hören.

Der breiten Masse kaum bekannt, ist Dare to Believe zu einem absoluten Geheimtipp geworden, der unter Kennern auf der ganzen Welt Kultstatus erlangt hat. Peter.W. nannte die Show als Inspiration für Radio du Grand Mot.

British Sunday # 15: The League of Gentlemen

Wir sprachen bereits über die absurde und surreale Comedy der 60er und 70er, wie auch die Alternative Comedy der 80er Jahre. Wofür die Briten aber ganz besonders bekannt sind ist ihr schwarzer Humor, ihr Sinn für’s Makabre und Groteske. Die britische Black oder Dark Comedy ist in der Tat traditionsreich und zieht sich über alle Genres und Dekaden.

Zu den absoluten Vorreitern der zeitgenössischen Dark Comedy zählt die 1995 gegründete Truppe The League of Gentlemen, bestehend aus Mark GatissSteve Pemberton, Reece Shearsmith und Jeremy Dyson. Sie verbanden das moderne Sketchformat mit Elementen von Horror und Mystery, und balancierten dabei gekonnt zwischen heiterer Absurdität und einer Atmosphäre beklemmender Verstörung. Nach einigen Bühnenshows wurde ihnen 1999 eine gleichnamige Sketchshow auf der BBC angeboten, die über 3 Staffeln bis 2001 lief. 2005 folgte der Film The League of Gentlemen’s Apocalypse. 

Weitere Sendungen die zur zeitgenössischen Dark Comedy gehören und von Teilen der Gruppe umgesetzt wurden sind die Sitcom Psychoville (2009 – 11) und die Anthologie-Serie Inside No. 9 (2014 ~).

British Sunday # 14: The IT Crowd

Im September 2007 ging die erste Folge der Erfolgssitcom The Big Bang Theory auf Sendung, die sich heute auf die Fahnen schreibt das vormals „uncoole“ Strebertum saloonfähig gemacht zu haben. Diese Ehre gebührt der verschrobenen Truppe um Sheldon und Co aber nicht allein. Schon ab 2006 war auf Channel 4 die Sitcom The IT Crowd zu bewundern. Geschrieben wurde sie von Graham Linehan, dem auch andere Erfolgsserien wie Father Ted oder Black Books zu verdanken sind.

Die Handlung dreht sich um die beiden Computerfreaks Roy (Chris O’Dowd) und Moss (Richard Ayoade), welche die im Keller gelegene IT-Abteilung einer großen Firma bilden. Von ihrem völlig größenwahnsinnigen Chef Denholm Reynholm (Chris Morris) wird ihnen eines Tages die neurotische Büroangestellte Jen (Katherine Parkinson) auf’s Auge gedrückt, die von Computern nicht den leisesten Schimmer hat. Die Drei versuchen sich miteinander zu arrangieren und geraten dabei in allerlei bizarre Situationen. Denholm begeht später Selbstmord und wird von seinem verlorenen Sohn Douglas (Matt Berry) abgelöst, der ihm in punkto Irrsinn um nichts nachsteht. Gelegentlich tritt auch der schrullige Goth Richmond (Noel Fielding, siehe British Sunday #12) auf den Plan.

Obwohl The IT Crowd nicht mit dem wissenschaftlichen Knowhow von The Big Bang Theory mithalten kann, punktet sie mit ihrem schrägen, auch mal untergriffigen britischen Humor und Referenzen auf Internetphänomene und die Alternative Popkultur. Ein gleichnamiger amerikanischer Ableger in dem Richard Ayoade nochmals die Rolle von Moss übernahm, schaffte es nicht über den Piloten hinaus, der deutsche Ableger Das iTeam mit Sky du Mont konnte zumindest ein paar Folgen senden bevor auch er aufgrund zu schwacher Quoten vorzeitig abgebrochen wurde. Das Original lief aber relativ erfolgreich bis 2013, gewann einige Preise und genießt heute Kultstatus.

British Sunday # 13: Only Fools and Horses

2004 nahm die BBC eine Wahl für die bis dato besten britischen Sitcoms vor. Auf Platz 1 landete der von John Sullivan kreierte Dauerbrenner Only Fools and Horses, der von 1981 – 91 lief und noch bis 2003 um einige Weihnachtsspecials ergänzt wurde. David Jason spielt den ambitionierten Cockney-Markthändler Derek „Del Boy“ Trotter, der mit seinem naiven, jüngeren Bruder Rodney (Nicholas Lyndhurst) und ihrem Grandad (Lennard Pearce) zusammenlebt. Als Pearce starb wurde er durch Buster Merryfield als Uncle Albert ersetzt. Ein weiterer wiederkehrender Charakter ist Del Boy’s dubioser Kumpel Colin „Trigger“ Ball (Roger Lloyd-Pack), der Rodney aus bis heute ungeklärten Gründen „Dave“ nennt und die Brüder schon in so manches Schlamassel hineingeritten hat. Die Handlung der Serie dreht sich meist um die Versuche der Trotters mit krummen Geschäften zu Geld zu kommen, was ihnen aber durch allerhand Missgeschicke und Verstrickungen verwehrt bleibt. Als Vehikel dient ihnen dabei ein gelber dreirädiger Reliant Regal Supervan III.

Only Fools and Horses hatte während seiner Laufzeit durchgehend hervorragende Quoten und räumte etliche Preise ab. Die Folge „Time on Our Hands“ hält sogar den Rekord für die meisten Zuseher einer UK Sitcom. Noch heute zählen ihre Veröffentlichungen auf VHS und DVD zu den meistverkauften Produkten der BBC. Ihr folgten zwei Spinoffs, The Green Green Gras (2005 – 09) und das Prequel Rock & Chips (2010 – 11). Sie wurde in zahlreiche Länder exportiert und fand auch dort einige Ableger. Und: Sie zählt zu den Lieblingsserien von Marko Dinic.

http://www.dailymotion.com/video/x5wo262

British Sunday # 12: The Mighty Boosh

In den 1990ern zeichnete sich bei den Briten zunehmend ein Trend zur etwas bodenständigeren Unterhaltungscomedy ab, mit stärkerem Bezug auf alltagliche Situationskomik, Parodien zeitgenössischer Popkultur und Satire. Der als „pythonesk“ bezeichnete, schräge Humor wurde zwar nach wie vor gepflegt, aber kaum noch in dem Ausmaß exportiert, wie es noch in den 1970ern der Fall gewesen war.

In den 2000ern kehrte er langsam zurück und brachte eine neue Generation verrückter Köpfe zum Vorschein. Dabei stach eine Truppe mit ihrer wilden Kreativität und Liebe zum Detail ganz besonders hervor: The Mighty Boosh. Hinter diesem Projekt steckt das dynamische Duo Julian Barratt und Noel Fielding, ergänzt um Noel’s Bruder Michael FieldingDave Brown und Rich Fulcher. Wiederkehrenden Gäste waren Richard Ayoade und Matt Berry, die Fans auch aus der Sitcom The IT Crowd bekannt sein dürften.

Noel Fielding hatte Barratt bei einer seiner Soloauftritte kennengelernt. Die beiden schlossen sich zu einem Double act zusammen, mit dem Plan „die neuen Goodies“ zu werden (siehe British Sunday # 10). Als Basis für ihre Auftritte erschufen sie die Charaktere der beiden Zoowärter Howard Moon and Vince Noir. Der Rest der Truppe wurde dadurch auf sie aufmerksam und kam nach und nach dazu.

Was folgte waren gemeinsame drei Liveauftritte unter dem Namen The Mighty Boosh beim jährlichen Edinburgh Fringe Comedy Festival und 2001 eine sechsteilige Radioreihe auf der BBC. Der große Durchbruch kam aber 2004 mit ihrer gleichnamigen Sitcom. Besonders begeistert war das Publikum von Noel Fielding’s einfallsreichen Kulissen, die auch in seiner späteren Serie Noel Fielding’s Luxury Comedy wieder Verwendung fanden.

British Sunday # 11: The Two Ronnies

Die Karriere des Duos Ronnie Barker (1929 – 2005) und Ronnie Corbett (1930 – 2016) begann mit diversen kleineren Auftritten und Schreibarbeiten für den Frost Report (siehe British Sunday #5) wie den legendären Class Sketch mit John Cleese. Richtig in Schwung kam sie aber erst, als sie für eine Preisverleihung die mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, einsprangen und spontan eine kleine Show aufführten. Bei der Gelegenheit wurde Bill Cotton, Chef für die Leichte Unterhaltung bei der BBC, auf sie aufmerksam.

Er gab ihnen eine eigene Show, The Two Ronnies, die sehr erfolgreich von 1971 – 87 lief, und zu deren illustrem Autorenteam Ray Alan, John Cleese, Barry Cryer, Spike Milligan, David Nobbs, David Renwick, Eric Idle, John Sullivan, Michael Palin, Terry Jones und Laurie Rowley gehörten. Barker selbst schrieb unter dem Pseudonym Gerald Wiley.

Die Show verband den klassischen Ansatz der Sketch und Revue-Comedy mit der gerade modernen absurd-surrealistischen Komik und ihren zum Wahrzeichen gewordenen, kreativen Wortspielereien. Neben einzelnen Nummern gab es in jeder Staffel auch eine Fortsetzungsgeschichte, in Form von Parodien auf Kostümdramen, Krimis und Dystopien. Ergänzt wurde sie zudem mit verschiedenen Musikbeiträgen bekannter Interpreten wie Manhattan Transfer, Elton John und Phil Collins.

Obwohl ihnen der Erfolg recht gab, galten The Two Ronnies unter den kritischeren ihrer Kollegen als altmodisch und verstaubt; es hieß sie würden ihrer Zeit hinterher hinken, insbesonderen da sie sich dem Trend der Alternative Comedy komplett verweigerten. Dafür wurden sie gerne parodiert und durch den Kakao gezogen, sehr zum Unmut Barker’s und zur Belustigung Corbett’s. Nichtsdestotrotz haben sich die beiden Ronnies ihren Kultstatus redlich verdient!

 

British Sunday # 10: The Goodies

Bill Oddie, Tim Brooke-Taylor & Graeme Garden

Zu den Cambridge Footlights der frühen 1960er zählten John Cleese, Graham Chapman, Eric IdleBill Oddie, Tim Brooke-Taylor und Graeme Garden. Über mehrere Jahre hinweg arbeiteten sie zusammen an verschiedenen Projekten wie den Frost Report (siehe British Sunday # 5), die Radioreihe I’m Sorry, I’ll Read That Again oder die Sketchshow At Last The 1948 Show. Als Cleese, Chapman und Idle 1969 den Monty Python’s Flying Circus in Angriff nahmen, gründete das verbliebene Trio seine eigene Gruppe: The Goodies.

Die BBC bot ihnen eine eigene Serie an, die mit großen Erfolg zwischen 1970 – 1980 lief und zum Inbegriff der britischen 1970er wurde. Im Gegensatz zum Flying Circus wurde hier Unterhaltung für ein etwas breiteres Publikum geboten. Nichtsdestotrotz erstaunte die Serie mit cleverem Witz, schräger Slapstick, raffinierten technischen Spielereien und einer unglaublichen Liebe zum Detail. Auch der Plot war alles andere als seicht: Es wurden Themen wie Feminismus, Tier- und Umweltschutz, Systemkritik und sogar die Apartheid behandelt. Zeitgenössische Entwicklungen wie der Punk fanden ebenso ihren Platz, wie Referenzen auf gerade aktuelle Pop- und Medienphänomene. Auch Freunde der Science-fiction kamen auf ihre Kosten: In einer Folge war das komplette Set des originalen Raumschiff Enterprise zu sehen, in einer anderen die TARDIS aus Doctor Who und in einer dritten R2D2 aus Star Wars. Kurz: The Goodies war ein ehrgeiziges Projekt das eine ganze Generation für sich begeisterte und mit verrückten Musikstücken wie „Funky Gibbon“ auch die Charts stürmte.

Dementsprechend hoch waren die Kosten für die Serie, was schliesslich zu ihrem Ende führte. Die BBC hatte sich 1980 mit ihrer TV-Umsetzung von The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy übernommen und musste Einsparungen vornehmen, mit denen das Trio nicht einverstanden war. Sie wechselten von 1981 – 82 zu ITV, das ihnen ein weitaus geringereres Budget zur Verfügung stellte, womit sie die bisherige Qualität der Serie nicht aufrecht erhalten konnten. 1982 war das Ende für The Goodies und die drei Comedians wandten sich anderen Dingen zu. Nichtsdestotrotz hatten sie mit ihrem Programm großen Einfluss auf die britische Comedy. Zu erwähnen ist auch, dass sich der 50-jährige Maurer Alex Mitchell aus King’s Lynn 1975 über eine Folge der Goodies buchstäblich zu Tode gelacht hat.

British Sunday # 9: Spitting Image

Eine der bekanntesten britischen Comedyexporte der 1980er und 90er ist die satirische Puppenshow Spitting Image, die bekannte Persönlichkeiten ihrer Zeit überzeichnet karikierte und schonungslos durch den Kakao zog. Auch sie baute auf den Trend der 1980er Alternative Comedy auf und gilt, neben The Comic Strip presents… zu ihren langlebigsten Ausläufern.

Zwischen 1984 und 1996 wurde alles was Rang und Namen hatte, ob nun Vertreter der Politik, des Adelshauses, des Sports, der Film oder Musikindustrie, zum Opfer der vorlauten Puppen. Häufige Zielscheiben waren die britische Premierministerin Margaret Thatcher, US-Präsident Ronald Reagan und die Royals.

Kreiert wurde die Serie von Martin Lambie-Nairn und den Machern der Puppen, Peter Fluck und Roger Law. Darüber hinaus war ein riesiges Team in das Projekt involviert, darunter John Lloyd, der ehemalige Producer von Not the Nine O’Clock News (siehe British Sunday # 6), Autor Ben Elton (siehe British Sunday # 7), sowie Rob Grant and Doug Naylor die später mit der Science-fiction-Sitcom Red Dwarf bekannt wurden.

Zudem wurden zahlreiche Imitatoren und später bekanntere Comedians als Sprecher engagiert, wie Harry Enfield, Chris Barrie, Rory BremnerSteve Coogan (alias Alan Partridge), Jon Culshaw und Peter Serafinowicz. Die Serie lief in 18 Staffeln auf ITV, räumte einige Preise ab und schaffte es mit ihrem berühmten The Chicken Song selbst an die Spitze der Charts. In Österreich fand sie vor allem durch ihre Ausstrahlung in der ORF-Sendung kunst-stücke Beachtung.