British Sunday # 13: Only Fools and Horses

2004 nahm die BBC eine Wahl für die bis dato besten britischen Sitcoms vor. Auf Platz 1 landete der von John Sullivan kreierte Dauerbrenner Only Fools and Horses, der von 1981 – 91 lief und noch bis 2003 um einige Weihnachtsspecials ergänzt wurde. David Jason spielt den ambitionierten Cockney-Markthändler Derek „Del Boy“ Trotter, der mit seinem naiven, jüngeren Bruder Rodney (Nicholas Lyndhurst) und ihrem Grandad (Lennard Pearce) zusammenlebt. Als Pearce starb wurde er durch Buster Merryfield als Uncle Albert ersetzt. Ein weiterer wiederkehrender Charakter ist Del Boy’s dubioser Kumpel Colin „Trigger“ Ball (Roger Lloyd-Pack), der Rodney aus bis heute ungeklärten Gründen „Dave“ nennt und die Brüder schon in so manches Schlamassel hineingeritten hat. Die Handlung der Serie dreht sich meist um die Versuche der Trotters mit krummen Geschäften zu Geld zu kommen, was ihnen aber durch allerhand Missgeschicke und Verstrickungen verwehrt bleibt. Als Vehikel dient ihnen dabei ein gelber dreirädiger Reliant Regal Supervan III.

Only Fools and Horses hatte während seiner Laufzeit durchgehend hervorragende Quoten und räumte etliche Preise ab. Die Folge „Time on Our Hands“ hält sogar den Rekord für die meisten Zuseher einer UK Sitcom. Noch heute zählen ihre Veröffentlichungen auf VHS und DVD zu den meistverkauften Produkten der BBC. Ihr folgten zwei Spinoffs, The Green Green Gras (2005 – 09) und das Prequel Rock & Chips (2010 – 11). Sie wurde in zahlreiche Länder exportiert und fand auch dort einige Ableger. Und: Sie zählt zu den Lieblingsserien von Marko Dinic.

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British Sunday # 12: The Mighty Boosh

In den 1990ern zeichnete sich bei den Briten zunehmend ein Trend zur etwas bodenständigeren Unterhaltungscomedy ab, mit stärkerem Bezug auf alltagliche Situationskomik, Parodien zeitgenössischer Popkultur und Satire. Der als „pythonesk“ bezeichnete, schräge Humor wurde zwar nach wie vor gepflegt, aber kaum noch in dem Ausmaß exportiert, wie es noch in den 1970ern der Fall gewesen war.

In den 2000ern kehrte er langsam zurück und brachte eine neue Generation verrückter Köpfe zum Vorschein. Dabei stach eine Truppe mit ihrer wilden Kreativität und Liebe zum Detail ganz besonders hervor: The Mighty Boosh. Hinter diesem Projekt steckt das dynamische Duo Julian Barratt und Noel Fielding, ergänzt um Noel’s Bruder Michael FieldingDave Brown und Rich Fulcher. Wiederkehrenden Gäste waren Richard Ayoade und Matt Berry, die Fans auch aus der Sitcom The IT Crowd bekannt sein dürften.

Noel Fielding hatte Barratt bei einer seiner Soloauftritte kennengelernt. Die beiden schlossen sich zu einem Double act zusammen, mit dem Plan „die neuen Goodies“ zu werden (siehe British Sunday # 10). Als Basis für ihre Auftritte erschufen sie die Charaktere der beiden Zoowärter Howard Moon and Vince Noir. Der Rest der Truppe wurde dadurch auf sie aufmerksam und kam nach und nach dazu.

Was folgte waren gemeinsame drei Liveauftritte unter dem Namen The Mighty Boosh beim jährlichen Edinburgh Fringe Comedy Festival und 2001 eine sechsteilige Radioreihe auf der BBC. Der große Durchbruch kam aber 2004 mit ihrer gleichnamigen Sitcom. Besonders begeistert war das Publikum von Noel Fielding’s einfallsreichen Kulissen, die auch in seiner späteren Serie Noel Fielding’s Luxury Comedy wieder Verwendung fanden.

British Sunday # 11: The Two Ronnies

Die Karriere des Duos Ronnie Barker (1929 – 2005) und Ronnie Corbett (1930 – 2016) begann mit diversen kleineren Auftritten und Schreibarbeiten für den Frost Report (siehe British Sunday #5) wie den legendären Class Sketch mit John Cleese. Richtig in Schwung kam sie aber erst, als sie für eine Preisverleihung die mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, einsprangen und spontan eine kleine Show aufführten. Bei der Gelegenheit wurde Bill Cotton, Chef für die Leichte Unterhaltung bei der BBC, auf sie aufmerksam.

Er gab ihnen eine eigene Show, The Two Ronnies, die sehr erfolgreich von 1971 – 87 lief, und zu deren illustrem Autorenteam Ray Alan, John Cleese, Barry Cryer, Spike Milligan, David Nobbs, David Renwick, Eric Idle, John Sullivan, Michael Palin, Terry Jones und Laurie Rowley gehörten. Barker selbst schrieb unter dem Pseudonym Gerald Wiley.

Die Show verband den klassischen Ansatz der Sketch und Revue-Comedy mit der gerade modernen absurd-surrealistischen Komik und ihren zum Wahrzeichen gewordenen, kreativen Wortspielereien. Neben einzelnen Nummern gab es in jeder Staffel auch eine Fortsetzungsgeschichte, in Form von Parodien auf Kostümdramen, Krimis und Dystopien. Ergänzt wurde sie zudem mit verschiedenen Musikbeiträgen bekannter Interpreten wie Manhattan Transfer, Elton John und Phil Collins.

Obwohl ihnen der Erfolg recht gab, galten The Two Ronnies unter den kritischeren ihrer Kollegen als altmodisch und verstaubt; es hieß sie würden ihrer Zeit hinterher hinken, insbesonderen da sie sich dem Trend der Alternative Comedy komplett verweigerten. Dafür wurden sie gerne parodiert und durch den Kakao gezogen, sehr zum Unmut Barker’s und zur Belustigung Corbett’s. Nichtsdestotrotz haben sich die beiden Ronnies ihren Kultstatus redlich verdient!

 

British Sunday # 10: The Goodies

Bill Oddie, Tim Brooke-Taylor & Graeme Garden

Zu den Cambridge Footlights der frühen 1960er zählten John Cleese, Graham Chapman, Eric IdleBill Oddie, Tim Brooke-Taylor und Graeme Garden. Über mehrere Jahre hinweg arbeiteten sie zusammen an verschiedenen Projekten wie den Frost Report (siehe British Sunday # 5), die Radioreihe I’m Sorry, I’ll Read That Again oder die Sketchshow At Last The 1948 Show. Als Cleese, Chapman und Idle 1969 den Monty Python’s Flying Circus in Angriff nahmen, gründete das verbliebene Trio seine eigene Gruppe: The Goodies.

Die BBC bot ihnen eine eigene Serie an, die mit großen Erfolg zwischen 1970 – 1980 lief und zum Inbegriff der britischen 1970er wurde. Im Gegensatz zum Flying Circus wurde hier Unterhaltung für ein etwas breiteres Publikum geboten. Nichtsdestotrotz erstaunte die Serie mit cleverem Witz, schräger Slapstick, raffinierten technischen Spielereien und einer unglaublichen Liebe zum Detail. Auch der Plot war alles andere als seicht: Es wurden Themen wie Feminismus, Tier- und Umweltschutz, Systemkritik und sogar die Apartheid behandelt. Zeitgenössische Entwicklungen wie der Punk fanden ebenso ihren Platz, wie Referenzen auf gerade aktuelle Pop- und Medienphänomene. Auch Freunde der Science-fiction kamen auf ihre Kosten: In einer Folge war das komplette Set des originalen Raumschiff Enterprise zu sehen, in einer anderen die TARDIS aus Doctor Who und in einer dritten R2D2 aus Star Wars. Kurz: The Goodies war ein ehrgeiziges Projekt das eine ganze Generation für sich begeisterte und mit verrückten Musikstücken wie „Funky Gibbon“ auch die Charts stürmte.

Dementsprechend hoch waren die Kosten für die Serie, was schliesslich zu ihrem Ende führte. Die BBC hatte sich 1980 mit ihrer TV-Umsetzung von The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy übernommen und musste Einsparungen vornehmen, mit denen das Trio nicht einverstanden war. Sie wechselten von 1981 – 82 zu ITV, das ihnen ein weitaus geringereres Budget zur Verfügung stellte, womit sie die bisherige Qualität der Serie nicht aufrecht erhalten konnten. 1982 war das Ende für The Goodies und die drei Comedians wandten sich anderen Dingen zu. Nichtsdestotrotz hatten sie mit ihrem Programm großen Einfluss auf die britische Comedy. Zu erwähnen ist auch, dass sich der 50-jährige Maurer Alex Mitchell aus King’s Lynn 1975 über eine Folge der Goodies buchstäblich zu Tode gelacht hat.

British Sunday # 9: Spitting Image

Eine der bekanntesten britischen Comedyexporte der 1980er und 90er ist die satirische Puppenshow Spitting Image, die bekannte Persönlichkeiten ihrer Zeit überzeichnet karikierte und schonungslos durch den Kakao zog. Auch sie baute auf den Trend der 1980er Alternative Comedy auf und gilt, neben The Comic Strip presents… zu ihren langlebigsten Ausläufern.

Zwischen 1984 und 1996 wurde alles was Rang und Namen hatte, ob nun Vertreter der Politik, des Adelshauses, des Sports, der Film oder Musikindustrie, zum Opfer der vorlauten Puppen. Häufige Zielscheiben waren die britische Premierministerin Margaret Thatcher, US-Präsident Ronald Reagan und die Royals.

Kreiert wurde die Serie von Martin Lambie-Nairn und den Machern der Puppen, Peter Fluck und Roger Law. Darüber hinaus war ein riesiges Team in das Projekt involviert, darunter John Lloyd, der ehemalige Producer von Not the Nine O’Clock News (siehe British Sunday # 6), Autor Ben Elton (siehe British Sunday # 7), sowie Rob Grant and Doug Naylor die später mit der Science-fiction-Sitcom Red Dwarf bekannt wurden.

Zudem wurden zahlreiche Imitatoren und später bekanntere Comedians als Sprecher engagiert, wie Harry Enfield, Chris Barrie, Rory BremnerSteve Coogan (alias Alan Partridge), Jon Culshaw und Peter Serafinowicz. Die Serie lief in 18 Staffeln auf ITV, räumte einige Preise ab und schaffte es mit ihrem berühmten The Chicken Song selbst an die Spitze der Charts. In Österreich fand sie vor allem durch ihre Ausstrahlung in der ORF-Sendung kunst-stücke Beachtung.

British Sunday # 8: Q

Spike Milligan wurde in den 1950ern durch die Hörspielreihe Goon Show mit Peter Sellers und Harry Secombe weitreichend bekannt (siehe British Sunday # 4). Ende der 1960er wurde er Nutznieser einer eigenen Show auf der BBC, die über viele Jahre lief und mit jeder Staffel den Namen änderte. So hieß die erste Staffel Q5 (1969), die Zweite Q6 (1975), die Dritte Q7 (1977), die Vierte Q8 (1978), die Fünfte Q9 (1980) und die Sechste There’s a Lot of It About (1982).

Die Q-Reihe war eine komplett alberne Sketchshow mit surrealen Elementen, die verdächtig an den Monty Pythons Flying Circus erinnerte. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen verrückten Zufall, denn sowohl Milligan als auch die Pythons hatten unabhängig voneinander in dieselbe Richtung gearbeitet, ohne es zu bemerken. Die erste Folge von Q5 kam nur wenige Monate vor dem Flying Circus heraus und veranlasste die Pythons ihr Konzept noch einmal komplett zu überarbeiten, um sich stärker von Milligan’s Show zu unterscheiden. Auf der anderen Seite gefiel ihnen der anarche Stil seiner Sketche, die oft ohne klare Anfänge und Enden auskamen. Ein Modell das sie wiederum in ihre eigene Show übertrugen. Somit trug Q, wenn auch indirekt, zum heute bekannten Stil der Pythons bei.

Q selbst lief zwar länger und gilt heute als wegweisend für die Entwicklung der Britischen Comedy, konnte mit den Pythons aber nicht mithalten, zumal die BBC auch mehr Zeit und Energie in deren Projekt steckte, da es sich als lukrativer erwies. Milligan trug den Jungs selbst aber nichts nach und hatte später in Life of Brian sogar einen kleinen Cameo-Auftritt.

 

British Sunday # 7: A Bit of Fry & Laurie

Die britische Comedy in den 1970ern war gezeichnet vom internationalen Erfolg der Monty Pythons. Dem entgegen stand die Alternative Comedy-Bewegung der 1980er, die sich vom verkopften Stream of Consciousness-Humor der Collegeboys distanzieren und verstärkt Programm für die moderne Arbeiterklasse machen wollte. Umso überraschender ist das sich in ihren Reihen auch drei Mitglieder der Cambridge Footlights fanden: Die spätere Oscar-Preisträgerin Emma Thompson und das Erfolgsduo Hugh Laurie & Stephen Fry.

Grund dafür dürfte unter anderem der Alternative Comedian und Autor Ben Elton gewesen sein, mit dem die Drei bereits an der Sketchshow Alfresco gearbeitet hatten – ein hoffnungsloser Versuch des Senders ITV an den Erfolg von Not the Nine O’Clock News anzuknüpfen (siehe British Sunday # 6). Elton der später selbst einige Erfolgsprogramme (mit)kreierte verschaffte ihnen darin häufig kleinere oder größere Rollen und brachte sie damit der Szene näher. Dazu gehörte auch die Sitcom The Young Ones (siehe British Sunday #3) deren Co-Kreator Alexei Sayle anscheinend wenig begeistert war und die von ihm mitformulierten Ideale der Alternative Comedy verraten fühlte. Er stand mit seiner Meinung aber relativ alleine da, erwies sich die Footlights-Truppe doch als durchaus aufgeschlossen, selbst nicht ganz unkritisch, aber auch unglaublich sympathisch und unterhaltsam.

Während Emma Thompson dazu übergangen war ihre Karriere als Schauspielerin voranzutreiben, nahmen Fry und Laurie eine Einladung der BBC an, eine eigene Show zu gestalten, in der sich das Beste beider Welten wiederfinden sollte: Der intelligente Humor der Footlights und die kritische Schärfe der Alternative Comedy. Gepaart mit der schelmischen Clownerie von Hugh Laurie und der schlagfertigen Eloquenz von Stephen Fry. Dies waren die Grundvoraussetzungen für die Sketchshow A Bit of Fry & Laurie die von 1989 – 95 auf der BBC lief und auch heute noch zu einer ihrer besten Arbeiten zählt.