Susanne Schmalwieser & Dominik Ernst

Sonntag, 3. Juni 2018, ab 20:30 Uhr im Café Anno, Lerchenfelderstraße 132, 1080 Wien.

„Wer lebt wie wir, sieht im Bahnhof schon den Broadway“, sagen Susanne Schmalwieser (17) und Dominik Ernst (19) – zwei Schreibende, aufgewachsen in zwei kleinen niederösterreichischen Dörfern auf entgegengesetzter Seite der Triesting. Nun haben sie sich auf den Weg nach Wien gemacht – mit neuen Geschichten und Erzählungen im Gepäck.

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Wer mit wem… und warum überhaupt?

 

Sendungsproduzent Peter Wetzelsberger ist seit etwas mehr als 10 Jahren für seine simpel produzierten, absurden Impro-Hörspiele auf der Radiofabrik bekannt. Ein Großteil davon war in der Sendereihe Fondue zu hören, wo u.a. eine dem Adel überdrüssige Prinzessin mit einem Kreuzworträtsel lösenden Drachen in einen Bungalow in Gütersloh zieht. Man höre hier!

Als es darum ging sich etwas für die Hörspielrubrik von Radio du Grand Mot einfallen zu lassen, kam er mit der Idee einer Parodie auf Seifenopern und Telenovelas. In Wer mit wem… und warum überhaupt? sollte der obligatorische seichte Plot radikal gekürzt werden, jeder der handelnden Personen abwechselnd nur einen Satz von sich geben und dem üblichen Pathos zum Trotz die Produktion so trashig wie möglich gehalten werden. Letzteres wurde bewerkstelligt, indem die Aufnahmen bei der wöchentlichen Mittwochsrunde im salzburger Café Central oder wie zuletzt am Rande einer privaten Party gemacht wurden. Involviert wurde einfach wer gerade da war! Einmal abgesehen von den Hauptdarstellern, gesprochen von Felicitas Biller und Thomas Pfertner (siehe Abb.) Darüber hinaus dabei waren bis jetzt: Peter Wetzelsberger selbst, Katharina Kapsamer, Stefan Findeisl, Markus Brandt, Stefan Ebner, Marko Dinic und Georg Büttel.

 

 

105 Jahre Marko Feingold

Artarium am Sonntag, 27. Mai um 17:06 Uhr – Zum bevorstehenden Geburtstag des ältesten KZ-Überlebenden und jahrzehntelang nimmermüden Zeitzeugen erinnern wir an unsere gemeinsamen Projekte – und denken darüber nach, wie Geschichte auch in zukünftigen Generationen lebendig bleiben kann. Marko Feingold hat dies immer durch engagiertes Erzählen in der Begegnung mit jungen Menschen ermöglicht. Doch wie lassen sich die persönlichen Erfahrungen seiner Generation weiterhin vermitteln, wenn ihre letzten noch lebenden Vertreter nicht mehr selbst dafür einstehen können? Dabei haben wir das beim heurigen “Tag gegen Gewalt und Rassismus” am 4. Mai vorgestellte Jugendprojekt “Dialog des Erinnerns” der KZ-Gedenkstätte Mauthausen entdeckt, das uns auch als Geburtstagsgruß an Marko Feingold geeignet erscheint.

100xniewieder für marko feingold peter haasUnter dem Motto “Geschichten brauchen Stimmen” haben sich einige junge Menschen mit den Lebensgeschichten von im KZ Mauthausen zu Tode gebrachten Menschen beschäftigt und daraus jeweils eigene Gegenwartstexte erarbeitet. Diesem Projekt gelingt es, längst verstummte Stimmen aus den Todeslisten mit viel Mut und Mitgefühl wieder ein gutes Stück ins Leben zu schreiben”. Vor allem die phantastische Elodie Arpa, zuletzt Gewinnerin beim mehrsprachigen Redewettbewerb “Sag es MULTI”, hat uns mit ihrer Bearbeitung der Biographie von Peter van Pels tief berührt – und überzeugt – weshalb wir diese Darbietung für die heutige Sendung ausgewählt haben. Die darin vorgestellte reale Person, welche am 10. Mai 1945 in Mauthausen verstarb, ist genau jener “Peter van Daan”, der auch im Tagebuch der Anne Frank beschrieben wird. Diese zusätzliche Verbindung lässt Elodie Arpa auf geradezu magische Weise in ihren Text über “den heutigen Peter” einfließen, ein emotional ansprechender und rundherum mutmachender Beitrag!

100xniewieder für marko feingold norbert k hundNun freuen wir uns naturgemäß besonders, wenn gerade so eine hochoffizielle Einrichtung wie die KZ-Gedenkstätte Mauthausen bei der jugendgerechten Vermittlung von Zeitgeschichte nach neuen Ausdrucksformen strebt. Auch wir haben auf diesem Gebiet schon so manches bewirkt. Die Radiofabrik im allgemeinen mit ihrem Projekt “Hörstolpersteine” und den damit verbundenen Schulworkshops. Die Artarium-Redaktion wiederum im speziellen mit dem Marko Feingold Projekt 2013, aus dem ein zweistündiges Radiofeature hervorging. Zudem wurde eine Begehung des Jüdischen Friedhofs und ein Besuch der Salzburger Synagoge dokumentiert, jeweils gemeinsam mit Marko Feingold, der dabei interessierten jungen Menschen vom jüdischen Leben in Salzburg und vom Überleben in den Konzentrationslagern erichtet. Eine Intention des Projekts war, zumidest etwas von seinem umfänglichen Wissen “für die Nachwelt zu erhalten”, und zwar in einem Live-Setting, das seinen ungebrochenen Humor und seine Schlagfertigkeit für alle Zeiten erlebbar macht.

Sodann haben wir uns auch noch an Bernhard Jennys Performance/Buchprojekt “100x NIEWIEDER für Marko Feingold” beteiligt. Der Textbeitrag dazu von Norbert K.Hund steht jetzt da, stellvertretend für alles, was noch gedacht werden kann:

Als ich 1966 in Salzburg in den Kindergarten kam, zeichnete ich unter dem Einfluss vieler neuer Eindrücke ein Bild. In der Mitte befand sich ein Fleischwolf, in dessen Trichter wir Kinder von oben hinein geschlürft wurden. Unten kamen auf drei Förderbändern Dosen mit Fleisch, Flaschen mit Blut und Pakete mit Knochen heraus, welche sogleich auf Lastwagen verladen und anschließend ausgeliefert wurden. Zuhause erklärte ich meiner Mutter voller Stolz diese Zeichnung und sagte: „Das ist die Menschenvernichtungsmaschine.“ Sie nahm das Bild wortlos an sich und räumte es in einen Kasten. Auch auf späteres Nachfragen hin hat sie nie wieder etwas darüber gesagt. Ein schreckliches Schweigen.

Wenn wir heute darüber nachdenken, wie wir kommende Generationen erziehen, wie wir sie insbesonders gegen Gewalt und Grausamkeit schutzimpfen können, dann müssen wir uns ein Beispiel an Menschen wie Marko Feingold nehmen. Denn nur wer den Mut hat, auch von seinen abgründigsten Gefühlen wie Angst oder Schmerz freimütig zu erzählen, der vermag in jungen Menschen deren ohnehin bereits vorhandenes Mitgefühl anzuregen – und zu bestärken! Gerade ein solches Einfühlungsvermögen – ohne Abspaltung von „negativen“ Emotionen – wird es dringend brauchen, wenn wir nicht neuen menschenverachtenden Ideologien auf den Leim gehen sollen. Also, nie wieder Schweigen – auch über das Schreckliche.

Atem liest sich rückwärts Meta

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Am Sonntag, 3. Juni 2018 ab 20 Uhr auf der Radiofabrik.
(Das Bild ist übrigens aus einem Film von Jan Švankmajer)

Magic Delphin im Wohnzimmer

In Folge 2 feierte das Titelstück seines Albumdebüts Leben am Mars seine Radiopremiere. Heute wurde bekannt gegeben, dass Magic Delphin bei Wohnzimmer Records unterschrieben hat und damit in einem Atemzug mit Kreisky genannt werden kann – die interessanterweise in derselben Folge gespielt wurden. Wenn das mal kein Omen ist! Wir gratulieren herzlich!

„good luck – good bye – ein tagebuch aus der willkommenskultur“

El Awadalla & Ishtar Duo (Ahmed Shqaqi & Phillip Gunter Rainer)

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Sonntag, 27. Mai 2018, ab 20:30 Uhr im Café Anno, Lerchenfelderstraße 132, 1080 Wien.

El Awadalla geboren 1956, aufgewachsen in Nickelsdorf/Burgenland. Sie ist Autorin, Herausgeberin, Slam Poetin, Millionenshow-Gewinnerin, Kulturveranstalterin, Kabarettistin, mehrfache Literaturpreisträgerin, Bundespräsidentschaftskandidatin, leidenschaftliche Raucherin uvm.

Die Köhlmeier Rede

Artarium am Sonntag, 20. Mai um 17:06 Uhr – Michael Köhlmeier hat also eine Rede gehalten. Und zwar anlässlich des “Tags gegen Gewalt und Rassismus”, einer vom österreichischen Nationalrat alljährlich abgehaltenen Gedenkfeier, die sich auf die Befreiung des KZ Mauthausen am 5. Mai 1945 bezieht. Und in dieser Rede hat der Schriftsteller, wie es seit Jahrzehnten seine Art ist, das Entstehen von Gewalt – durch die Beobachtung von oft unbeachteten Details – dargestellt. Dass er dabei aber nicht in der Vergangenheit verblieb, sondern einzelne Zitate von aktuell regierenden Politikern aufgriff, das wird ihm seither (vor allem von denselben) heftig vorgeworfen. Multimedial überschlägt sich “die Öffentlichkeit” mitsamt Armin Wolf und es wird vor lauter Pro und Contra immer schwieriger, das Eigentliche zu fassen.

michael köhlmeier im kontrastWer die Stationen dieser Erregung hier noch einmal zusammengefasst nachvollziehen mag, kann sich den Artikel von Kontrast.at zu Gemüte führen (Foto von Johannes Zinner© Parlamentsdirektion). Ich habe die Nutzungsbedingungen verstanden und akzeptiert etcetera blabla. Aber eigentlich wollte ich doch auf etwas viel Wesentlicheres verweisen, auf jenes Entstehen von Ausgrenzung und Gewalt, wie es Michael Köhlmeier schon immer beobachtet und aufgezeigt hat: In seinem vor 35 Jahren entstandenen Hörspiel “March Movie” (runterscrollen, bis der Titel in Rot erscheint, dort gibts dann die Inhaltsangabe und auch einen Stream) deckt ein engagierter Eisenbahner nach Jahren das spurlose Verschwinden einer ganzen Blaskapelle auf. Doch anstatt, dass ihm dafür etwa gedankt würde, geht die gesamte Gesellschaft, die das Verschwundensein all dieser Menschen nicht wahrhaben will, brutal gegen ihn vor, stellt seine geistige Gesundheit in Frage und macht ihn so zum Außenseiter. Völker, hört die Parallelen! Und jetzt gehen die Mehrheitsnormalen auf Köhlmeier selbst los, weil er ihnen unangenehme Zusammenhänge ausspricht. Es erinnert geradezu grotesk an Thomas Bernhard und den Staatspreis-Skandal 1968.

Die “Brüskierten” entlarven sich selbst – durch ihre jeweiligen Reaktionen. Es gibt im Grunde eh nur zwei Arten von Menschen: Die, die von ihren eigenen Empfindungen ausgehen und so zu einer Anschauung der Welt gelangen. Und die, deren Programm eine vorgefertigte Weltanschauung ist und die daher auf alles und jedes nur ein und dieselbe Antwort geben (wenn auch immer wieder leicht variiert). In unserem Fall eben AusländerflutBalkanrouteSozialschmarotzer. Ist das nicht gefickt eingeschädelt?

das salzburger kunstkollektiv