Sprich mal Schwedisch

joakim.jpgEin häufiger Kritikpunkt der ersten Staffel war der Mangel an fremdsprachiger Musik. Grund dafür war unter anderem ein ominöser Track in schwedischer Sprache den Produzent Peter Wetzelsberger ursprünglich für die erste Folge verwenden wollte. Um aber sicher zu gehen, dass er nichts sendete mit dem er nicht hundertprozentig einverstanden war, machte er sich auf die Suche nach jemanden, der ihm den Text übersetzen konnte. Eine Entscheidung die sich später als richtig erwies, denn besagter Track war schon ordentlich ungustiös!

Bei seiner Suche stieß er auf den in Erfurt lebenden Schweden Joakim Andersson, der auf seinem YouTube-Channel Sprich mal schwedisch einige informative, aber auch recht kuriose Videos über seine Heimat, ihre Sprache und Kultur veröffentlicht hat. Nicht wenige davon gefielen Peter so gut, dass er Joakim einlud etwas aus seinem Repertoire für Radio du Grand Mot beizusteuern. Zu hören sind seine Beiträge in Folge 2 und 5. Auf seiner Homepage bietet Joakim auch kostenlose Audiolektionen an!

 

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Collide – These Eyes Before

> Sendung: Artarium vom Sonntag, 15. April – Das höchst eigenartige Duo Collideaus Kalifornien hat das gegenständliche Album mit Reworks/Coverversionen von einigen unbestreitbaren Größen der Rockgeschichte herausgebracht. Darauf finden sich absolute Klassiker wie Space Oddity von David BowieComfortably Numb von Pink FloydI Feel You von Depeche Mode oder Creep von Radiohead. Einige Jahre zuvor haben Collide auch schon White Rabbit von Jefferson Airplane verbearbeitet, eine Interpretation, die wir neben der von Patti Smith immer wieder gern in unseren Perlentaucher-Nachtfahrt-Sendungen einsetzen. Überhaupt finden wir das Konzept der Zweipersonenband sehr ansprechend, geht es dabei doch neben persönlicher Einswerdung auch um die Verschmelzung musikalischer Strömungen und Stile.

Collide“We just wanted to make the kind of music that we wanted to hear.” Dieser Selbstaussage von ihrer im übrigen erfreulich aufgeräumten und übersichtlich strukturierten Homepage können wir naturgemäß nur vollinhaltlich verfallen. Genauso wie der offenbaren Schwierigkeitaller Diplomgenrezuschreiber, ihr musikalisches Schaffen in das eine oder andere Schachterl zu pressen. Von Trip-Hop und Synth-Rock ist etwa die Schreibe, von ElectronicTechnoIndustrial oder Gothicoder Darkwave… Muuuuhaha, da derstessen sie sich reihum, die versammelten Gscheitscheißer des kategorischen Definitionismus. Generell ist ja nichts gegen die Beschreibung dessenwas jemand macht, einzuwenden: Leise Lieder zur akustischen Gitarre oder bombastsymphonische Rockmusik mit Flugshow und Feuerwerk – das kann schon einen Unterschied erklären! Auch inhaltlich ließe sich einiges aussagen: Gesellschaftskritische Nachdenkballaden über den Globalisierungsgenozid oder Postmoderner Zitatentsunami zur gefälligen Bewusstseinszerweiterung. Welches Tüterl hättens denn gern? Aber dass es bei all dieser Genrefizierung gar nicht um Selbstwahrnehmung und Sprachphantasie geht, sondern um das gschwinde Gschäft mit der gefälligen Begriffigkeit, das verursacht schon einen gründlichen Kulturkrampf und Zivilisationsbrechreiz. Jedenfalls uns…

“If you’re on the fence on whether or not to pick up a copy for yourself, check out the reviews and decide for yourself.” So heißt es schönerweise bei Collide daheim. Wir können noch eine weitere Art der unmittelbaren Erfahrung anbieten: Gut zuhören!

Mieze Medusa & Linda Gabriel | Welten, Orte und das Wir dazwischen

Sonntag, 15. April 2018, ab 20 Uhr im Café Anno, Lerchenfelderstraße 132,
1080 Wien. 

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Mieze Medusa ist auch privat recht oft im Anno, deshalb ist es eine ganz
besondere Ehre und Freude, wiedermal für eine eigene Lesung zu kommen.
Zu hören gibt es aktuelle Spoken Word Texte, aber auch unveröffentlichte
Lyrik und was sonst so anfällt: Lesebühnentexte, eventuell ein bisschen
was aus dem aktuellen Romanprojekt, brandneue Rap-Lyrics, halt alles,

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Linda Gabriel
ist eine Performerin aus Zimbabwe. Sie engagiert sich für die Sistaz Open Mic Plattform. Sie hat Flow, Herz und Hirn. In Verbindung mit einem Aufenthalt in Berlin kommt sie für zwei Termine nach Österreich, einer davon ist die Lesung im Cafe Anno! Don’t miss it!

What about Queer?

91uVjVTVGCL.jpgIn der ersten Staffel von Radio du Grand Mot hörten wir Ausschnitte eines Gesprächs zwischen Patricia Lang und Debora Charco, aufgenommen in ihrer privaten Wohnung in Salzburg. Basis des Gesprächs war das Buch Queer – A Graphic History von Meg-John Barker und Julia Scheel (siehe Bild) und die damit verbundene Queer-Theory, ein Konzept das sich in den 1990ern aus dem Umgang mit Themen wie LGTB, Gender und Identität entwickelte.

Die Idee zu diesem Segment stammte von Sendungsproduzent Peter Wetzelsberger, der die Ausschnitte auch dezent um elektronische Hintergrundmusik von Solo Andata, Ursula Bogner, Andreas Tilliander und Oval ergänzte. Ursprünglich hätte es sich dabei um mehrere kurze Gespräche zu verschiedenen Themen  handeln sollen, Lang und Charco entschieden sich aber für Queer, da sie sich zur Zeit der Aufnahme damit gerade besonders beschäftigten.

Kate Tempest

Artarium am Sonntag, 8. April um 17:06 Uhr – Es ist schon so eine Sache mit dem Schöpferischen – und Salzburg ist wahrlich eine Hauptstadt – des Nachmachens. Vom Festspiel- bis zum Rockhouse klingt das Allermeiste irgendwie so ähnlich wie schon mal dagewesen. Nie gab es hier eine Punkband namens Thomas Bernhard oder Die Ursache, die Punk als Konzept ihrer Arbeit angewandt hätte und nicht fad nach der zwölfzigsten Wiederkehr des Erwartbaren schmeckt. Einen Unterschied zwischen originärem Schaffen und industrieller Reproduktion macht kaum noch jemand in diesem sich immer schwindliger drehenden Eventkasperltheater namens Kunst- und Kulturmarkt. Und der Mammonmoloch thront feist über den Dächern… Trotzdem gibt es Künstler_innen, die um ihrer Aussage willen auftreten – und wie!

Kate TempestKate Tempest aus London wird ja längst als “uncategorizable” oder “poet without borders” bezeichnet, was uns naturgemäß sehr gefällt, aber eben auch einen Kontrapunkt zum eingangs Beklagten darstellt: Wie unsere fiktive Band das Wesen des Punk, so hat Kate Tempest das Wesen des Rap abstrahiert und in ein Schaffensprinzip übersetzt, das ihre Arbeiten erfrischend neuartig und überaus eigenständig macht – völlig im Gegentum zum sonst üblichen Genre-AbklatschBilly Bragg sagt über sie: “Zum einen bin ich beeindruckt, dass sie all das als weiße Frau tut. Und dass sie dabei ein echtes Gefühl von Verletzbarkeit rüber bringt, dazu auch ein Gespür für Humor. So etwas kriegt man nicht im Mainstream-Rap. Ich habe sie mit ihrer Band laut sein erlebt, ich habe sie ihr Publikums durch ihr leise sein geradezu hypnotisieren erlebt. Und das sieht man ja auch nicht oft in der Rap-Szene.” Gut gebrüllt, auch einige der Gründe, warum wir Hasen Rap nebst Hip-Hop & Co generell nicht soo genial finden, Spokenword und Performance Poetry in all ihren Spielarten dagegen durchaus! Ein gutes Beispiel dafür ist das Kate-Tempest-Projekt Let them eat Chaos, das zugleich als Gedicht in Buchform, als Studio-Album und als Live-Performance daherkommt.

Wir wollen euch diese Künslerin in einigen Facetten ihres vielseitigen Schaffens vorstellen. Sie einmal in Salzburg live zu erleben wäre begehrenswert, aber ist das leistbar, zahlt sich das rechnerisch aus? Geh scheißenGeldsäckulumg’stinkerts!

Peter.W. | Hanuschplatz

dsc_7436Sonntag, 8. April 2018, ab 20 Uhr im Café Anno, Lerchenfelderstraße 132,
1080 Wien

Kunst ist eine einzige große Lüge, die wahrer ist als die Wahrheit […] Der Rest ist Wahrscheinlichkeit, welche zumindest die Ehrlichkeit besitzt den Schein im Namen zu tragen. Sonst ist es ja eher umgekehrt, der Name steht im Schein und ist bei Bedarf herzuzeigen. Das dient der Kontrolle! Doch ist diese erst verloren, welchen Zweck hat der Schein dann noch? Ist er uns als besseres Lesezeichen dienlich oder als schlechterer Einkaufszettel?

Das Fragezeichen als Zepter tümpelt der Bär durch die Sümpfe seiner eigenen Gedankenwelt. Und pflückt Blumen. Den fertigen Strauß legt er zum Trocknen in die Sonne – das geile Luder. Ein hohler Baum beherbergt eine ganze Räuberbande, dieweil sich die Rote Armee in eine Horde Schimmelyetis verwandelt. Autobiografisches wird einem hier aber auch geboten. So erfahren wir das der Autor schon einmal Bier mit einer Jazzlegende getrunken hat und er sich bei der Stellung wie ein Möbelstück fühlte. Was seine neue Brille zum Vorschein brachte ist aber auch nicht ohne! Nur eins wird ein ewiges Rätsel bleiben: Was hat das Ganze mit dem Hanuschplatz zu tun?

Peter Wetzelsberger alias Peter.W. wurde am 27. Februar 1983 in der Stadt Salzburg geboren, in der er bis vor Kurzem als freischaffender Künstler tätig war – er ist nicht tot, nur nach Wien gezogen! Er war Teil der Literaturplattform Poetro, Mitbegründer des Kunstkollektivs Bureau du Grand Mot und ist seit einigen Jahren mit der mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur im Bunde. In ihr veröffentlicht er regelmässig die Kolumne Hanuschplatz. Bisher erschienen sind die Bücher Vier Dinge von denen (2004), PerVers (2008), Ungooglebar (2011), warten auf das große wort (2013) und der Comikband Schulterratten (2015).

 

Berhane Berhane – Helden sind immer unterwegs

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Dienstag, 17. April 2018, ab 19 Uhr. academy bar, Franz-Josef-Straße 4, 5020 Salzburg

Als Berhane mit sechs Jahren nach Deutschland kam, hatte er praktisch nichts, nicht einmal einen Nachnamen. Den bekam er erst in Deutschland zusammen mit seinem Pass. Doch dann endete die Gastfreundschaft auch schon wieder, und er musste in einer Stadt aufwachsen, die nur die ganz Harten überleben: Heidelberg. Aber seine Einbürgerung hat noch eine viel schrecklichere Nebenwirkung: Seit er Deutscher ist, hat er Angst um „sein“ neues Volk. Und die Besuche in den deutschen Discos bestätigen ihn: Ein Volk, dass sich auf der Tanzfläche so dämlich anstellt, wird auf jeden Fall aussterben. Aber Berhane bringt die Bewegung und Erleuchtung. Denn Berhane ist das neue Licht auf Deutschlands Comedy-Bühnen. Klug, witzig – und er kann auch noch verdammt gut tanzen.

das salzburger kunstkollektiv