Dying Surfer meets His Maker

Artarium am Sonntag, 11. November um 17:00 Uhr – Wir stellen euch diesmal das nämliche Album der genre-auflösenden Band All Them Witches vor. Sie kommen zwar aus Nashville, ihr Sound hat jedoch kaum etwas mit jener Musikwelt gemein, für die das Country-Mekka in Tennessee sonst so berühmt ist. Und auch die Einsortierer des zwangsviereckigen Schachterluniversums stoßen bei All Them Witches heftig an ihre Grenzen. Noch nie habe ich so viele verschiedene Bezeichnungen für ein spezielles Musikgenre gelesen, die allesamt nicht wirklich oder nur teilweise zutreffen. Anstatt den ganzen Schas von Klappersdorf hier abermals anzuführen, sei lediglich auf die Selbstbeschreibung der eigenwilligen Musikkapelle verwiesen: “Psychedelta”Folgerichtig hat auch der Hase “Dying Surfer meets His Maker” eigenwillig erlebt:

Dying Surfer meets His Maker (Ausschnitt)Sterbender Wellengänger erfährt seine Schöpfung

all diese Hexen in ihren Baracken, den Schlössern der Obdachsuchenden, mit ihren versteckten Käfigherzen, ihren Leidtrögen, liegen gebettet auf Herbstlaub und zerlumpter Seide, geprüft und gefoltert vom Leben, vom Leben der Anderen, gestillt ihren Hunger mit Erde und Rausch, und beten allsamt zur Mutter der Berge, zum Vater der Flut, zum Kind der endlosen Leere, zum Getier in der Wirrnis der Wüste : dort suche ich tanzende Zeichen im Himmel, die mir das Auge versprach, das ich sah als sich Rinde und Blattwerk erkannten : gekrönt sind wir nächtens von Licht : heiße mich Stern, heiße mich Schwärze, ich beiße nicht, ich bin leiser Verzicht, heiseres Eingestehen, unstetes Branden : du wartest in weißer Gewandung vor dem Schlund der sandenen Ödnis im Zwielicht deiner Erwartung, während der Sturm sich entfächert : wir im Zentrum, im innersten Gefecht, Gesicht, das wir zu sehen bereit sind, wenn wir uns hingeben den heilenden Wogen des Winds, die uns trügen zu unseren Schatten, die warten geduldig, un.fassbar : Asche zu Asche zu Asche zu Staub zu Wind zu Atem zu Haut zu Feuer zu Asche zu Staub der Sterne, im Sande der Wüste gespiegelt, in den Tränen der Dornen, der Gräser, Kakteen, dem Blut der Schamanen, dem Glänzen der fallenden Hülsen : wir schweigen uns aus : wir setzen den Stein : wir legen die Sicht : wir fürchten mutig nur uns : es bleibt stets anders, verformt, neugeflochten, immer wieder : langsam ernüchtern : vorbei am langen Schlaf, den Schlangen der Träume, den Rissen im Traum : scheinbar endlose Gänge durch welche wir ziehen; sich öffnende Tore : Atem wird seicht; keine Stimme zu rufen, zu plärren, zu donnern : Liebe zerstückelt, zerkaut : wir schlucken : uns sehen die Sterne : träge die sönnlichen Vorboten am Horizont : noch dunkel, noch Zeit, noch zweisam, noch weit die Ankunft des Tages : Ausströmen, Einströmen : spürst du es auch? spürst du die Wellen, die fingernden Wellen des Lichts? die sich graben in alles, die Sinne überwallen, die Grenzen entheben, die uns tragen, die uns töten, für eine Sekunde, eine Ewigkeit : wir sollten sie reiten, sollten gleiten : viel.leicht

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Grauko

Am Sonntag, 11. November 2018, ab 20:00 Uhr im Cafe Anno, Lerchenfelderstraße 132, 1080 Wien.

Grauko hat sich für seine Lesung am 11.11.2018 den 11.11.1918 als historisches Datum zum Anreiz für seine Texte genommen. Dieser gilt mit der Unterzeichnung des ersten Waffenstillstands zwischen dem Deutschen Reich und den Westmächten als „Ende des 1. Weltkriegs“. Von dieser Tatsache ausgehend haben wir uns zu Texten rund um das Thema „Krieg“ in all seinen Facetten inspirieren lassen.

Lesen werden: Isolde Bermann, Margarita Kinstner, Maria Edlesbrunner, Veronika Unger, Thomas Wollinger und Peter Heissenberger.

www.grauko.com

TextMARKierung

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Donnerstag, 8. November 2018, ab 20 Uhr im MARK.freizeit.kultur, Hannakstraße 17, 5020 Salzburg. Eintritt frei.

Die Offene Lesebühne in Salzburg lässt euch die Bühne erklimmen und ein offenes Ohr beim Publikum finden. Damit ihr mit eurer Literatur, vielleicht zum ersten Mal, nicht verloren und nervös auf der Bühne steht, eröffnet Christian Lorenz Müller den Abend mit Gedichten vom russischen Polarkreis, gemütlichen Gemeinschaftsgärten und über Salzburg, aus einer von Charles Bukowski inspirierten Sicht. Musikalisch begleitet uns Sarah Maria Dragovic mit Bratsche und Loopmaschine. Sie löst sich dabei von den Formen der Klassik und improvisiert sich zu experimentellen Klangwelten. Gönnt euch 10 Minuten Bühnenerlebnis in einem der freundlichsten und offensten Häuser Salzburgs.

Wer sich vorher anmelden will, darf dies gerne bei textmarkierung@mosaikzeitschrift.at tun, spontanes Mitlesen ist am Veranstaltungsabend ebenso möglich. Eilt herbei, seht und hört was Salzburg zu lesen hat und lest euer Selbstverfasstes vor.

Hinweis: Die TextMARKierung ist eine Literaturveranstaltung, Sachbeiträge, wissenschaftliche Abhandlungen oder politische Pamphlete gehören zwar gehört, aber nicht an diesem Abend. //// „TextMARKierung“ ist eine Veranstaltung von mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur in Kooperation mit dem MARK // Gleichzeitig können an diesem Tag im MARK Bücher und Kleider getauscht werden!

zu den KünstlerInnen: Sarah Maria Dragovic lebt und studiert seit 3 Jahren in Wien. Neben ihrer Ausbildung auf der Bratsche, sucht sie ständig nach neuen und losgelösten Formen ihres eigenen Ausdrucks und experimentiert mit Klangkonzept, Improvisation und Sprache. Christian Lorenz Müller ist gelernter Bayer und lebt seit 15 Jahren in Salzburg. Er schrieb die beiden Romane „Wilde Jagd“ und „Ziegelbrennen“, ist Prosaredakteur der deutschen Literaturzeitschrift „Konzepte“ und rezensiert für Literatur und Kritik sowie für den poetenladen. Leseprobe: http://der-goldene-fisch.de/

mosaik in der Alten Schmiede Wien

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mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur. Neue Heftausgabe, neue Bücher in der Edition • Moderation: Marko Dinić, Josef Kirchner •

Lesungen von
ALKE STACHLER (Augsburg) •
LISA-VIKTORIA NIEDERBERGER (Salzburg) •
FRANZISKA FÜCHSL (Kiel – Wien) •
NIKLAS L. NISKATE (Oberösterreich) •

Reihe Literatur als Zeit-Schrift XXVII • Konzept und Moderation: Lena Brandauer, Paul Dvořak, Daniel Terkl

Montag, 5. November 2018, ab 19 Uhr. AS – Alte-Schmiede-Werkstatt, Schönlaterngasse 7A, 1010 Wien. Stufenloser Zugang zu Galerie und Schmiede-Werkstatt. Barrierefreies WC im Erdgeschoss. Zu Veranstaltungszeiten Behindertenparkplatz vor dem Haus Schönlaterngasse 13. Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen in der Alten Schmiede!

Die guten Tage

Z_Dinic_128x209_Tage_RZ.inddAm 18. Februar 2019 erscheint der lange erwartete Debüt-Roman Die guten Tage von Marko Dinić – Freund, Kollege, Schriftsteller, Kulturveranstalter und Mitbegründer des Bureau du Grand Mot.

In einem Bus, dem täglich zwischen Wien und Belgrad verkehrenden „Gastarbeiter-Express“, rollt der Erzähler durch die ungarische Einöde. Jener Stadt entgegen, in der er aufgewachsen ist. Die Bomben, der Krieg, Miloševic, den er zuerst lieben, dann hassen gelernt hat, und der Vater, für dessen Ideologie und Opportunismus er nur noch Verachtung empfindet, hatten ihn ins Exil getrieben. Entkommen ist er dem Balkan auch dort nicht. In beeindruckenden Bildern erzählt Marko Dinić zwanzig Jahre nach dem Bombardement von Belgrad von einer traumatisierten Generation, die sich weder zu Hause noch in der Fremde verstanden fühlt, die versucht die eigene Vergangenheit zu begreifen und um eine Zukunft ringt.

17864663411_586d52cbc1_oMarko und der Rest der salzburger Grandmotisten lernten einander 2010 über den Lesewettbewerb Wir lesen uns die Münder wund und die wöchentliche Mittwochsrunde im Café Central kennen. Seine erste Lesereihe Das goldene Vlies wurde bald von der legendären KulturKeule abgelöst, die zu einem wichtigen Dreh und Angelpunkt für die junge Literaturszene wurde. 2012 war er eine der treibenden Kräfte hinter der Gründung des Kunstkollektivs Bureau du Grand Mot, dem Zusammenschluss mit der Literaturzeitschrift mosaik, der Veröffentlichung der ersten gemeinsamen Anthologie warten auf das große wort in der Edition Tandem – wo auch sein erster Gedichtband namen:pfade erschien – und nicht zuletzt die Organisation einiger denkwürdiger Performances in Salzburg und Graz. Zusammen mit Christian Winkler initiierte er das Interlab, ein Festival für transdisziplinäre Kunst in salzburger Leerständen und war lange Obmann der bereits genannten Literaturzeitschrift mosaik. Mittlerweile widmet er sich verstärkter seiner Karriere als Schriftsteller, las 2016 beim Bachmann-Preis und war Stadtschreiber für Pfaffenhofen a. d. Ilm (2015), Schwaz (2016) und Halle (Saale) (2018).

Eva Lugbauer: UND AM ENDE STEHLEN WIR ZITRONEN

Am Sonntag, 28. Oktober 2018, ab 20:00 Uhr im Cafe Anno, Lerchenfelderstraße 132, 1080 Wien.

„Welches Gefühl?“, fragte Martin.
Wie nun wieder das Gefühl beschreiben? „Ich weiß nur“, sagte ich zu Martin, „dass ich danach dachte, wenn ich jetzt gestorben wäre, wäre es mir egal gewesen.“ So ist das also, dachte ich. Sich auflösen im schönsten Augenblick.

Wild sein! Verrucht sein! Frei sein! Zumindest im Traum fliegen können. Aber nein: Nicht einmal im Traum gelingt das Fliegen. Isa Erlinger fühlt sich gehemmt, gefangen und viel zu anständig. Doch steckt auch eine andere in ihr? In der Rolle der unbändigen Lou lügt sie sich zwischen berauschendem Hochgefühl und seelischer Düsternis durch die Nächte und gibt sich endlich ihrer Sehnsucht hin. Sich auflösen im schönsten Augenblick – und leben mit der Angst, den Boden zu verlieren.

„Schöne Sätze“ konstatiert Peter Pisa vom Kurier dem Debütroman der Niederösterreicherin Eva Lugbauer. „Vom Eingangszitat bis zum Epilog durchkomponiert“, schreibt Sabine Schuster vom Literaturhaus Wien. „Was nachhaltig im Kopf bleibt, sind Sprachklang und Musik. Der Text ist voller Vitalität, laut, unterlegt mit wummerden Bässen und den rauhen Stimmen von Amy Winehouse und Gianna Nannini… Von dieser Autorin wird man sicher noch hören.“

Eva Lugbauer, geboren 1985, lebt in Wien und Niederösterreich. Studium der Germanistik an der Universität Wien. Veröffentlicht seit 2009 Kurzgeschichten in unterschiedlichen Literaturzeitschriften. Unter den zehn Finalisten beim FM4-Kurzgeschichtenwettbewerb Wortlaut 2015. Ihr Debütroman „Und am Ende stehlen wir Zitronen“ erschien 2018 im Verlag Wortreich.

Dieses seltsame Krimigenre

Artarium am Sonntag, 28. Oktober um 17:06 Uhr – Eine Annäherung ans Unendliche durch Weglassen von Vielem und Hervorheben von Einigem. Beispielsweise. Schon das Krimigenre (sei es im Film oder in der Literatur) lässt sich in all seinen Subgenres und Verzweigungen kaum akademisch erfassen, geschweige denn präzise abgrenzen. Muss Blut fließen? Geht es um Mord? Whodunit? Und warum ist jedwede Darstellung von “Crime” beim Publikum offenbar so beliebt? Die Psychologin unseres Vertrauens empfiehlt diesfalls, den Autor von “Schuld”Ferdinand von Schirachzu befragen. Und sie verweist dabei auch auf die Ambivalenz des Menschen, die sich speziell in der Spannung zwischen Leben und Tod widerspiegelt. Womit sich das Wesen der Dramaturgie im gesamten Krimigenre erklären lässt. Wir haben eine heiße Spur

Neues im Krimigenre

…und eine ziemlich interessante These: Im sonst eher nicht so für künstlerische Höchstleistungen berüchtigten Fernsehprogramm (zumindest in dessen öffentlich-rechtlicher Gestalt) tauchen seit einiger Zeit ansprechende, vor allem aber nicht-amerikanische Produktionen auf, wie etwa die neue ZDF-Serie “Professor T.”, welche wir bereits in der letzten Perlentaucher-Nachtfahrt warm empfohlen haben. Des weiteren überrascht uns die Fernseh-Kriminalfilm-Reihe “Tatort” (die es seit 1970 gibt) auch immer öfter mit kunstvollen Eskapaden, was ehedem (ich erinnere mich dunkel) gar nicht in ihrer Art lag. Womöglich lockt ja das kommerziell erfolgreiche Krimigenre künstlerisch ambitionierte Filmemacher und Autor_innen geradezu an, wenn diese sich kreativ austoben – und dabei auch noch Geld verdienen wollen. Zuletzt hat der bekannte Regisseur Dani Levy zum Beispiel den Tatort “Die Musik stirbt zuletzt” im One-Shot-Verfahren gedreht, also ohne Schnitt und in einer einzigen KamerafahrtMit ähnlichen Methoden hat der Großmeister des SuspenseAlfred Hitchcock, in “Cocktail für eine Leiche” (Originaltitel “Rope”) schon 1948 herum experimentiert…

Womit wir beim Literaturhaus und dem dort vom 8. bis 10. November stattfindenden 10. Krimifest angelangt wären. Selbiges wird passenderweise von einer Ausstellung namens “Hitchcock. Vom Buch zum Film“ umrahmt, an deren Gestaltung auch der Studiogast unseres Vertrauens, Emanuel Gauß, mitgewirkt hat. Dazu servieren wir, dem kriminellen Anlass entsprechend, Musik von Element Of Crime – aber nicht nur!

das salzburger kunstkollektiv