Atem liest sich rückwärts Meta

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Am Sonntag, 3. Juni 2018 ab 20 Uhr auf der Radiofabrik.
(Das Bild ist übrigens aus einem Film von Jan Švankmajer)

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Magic Delphin im Wohnzimmer

In Folge 2 feierte das Titelstück seines Albumdebüts Leben am Mars seine Radiopremiere. Heute wurde bekannt gegeben, dass Magic Delphin bei Wohnzimmer Records unterschrieben hat und damit in einem Atemzug mit Kreisky genannt werden kann – die interessanterweise in derselben Folge gespielt wurden. Wenn das mal kein Omen ist! Wir gratulieren herzlich!

„good luck – good bye – ein tagebuch aus der willkommenskultur“

El Awadalla & Ishtar Duo (Ahmed Shqaqi & Phillip Gunter Rainer)

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Sonntag, 27. Mai 2018, ab 20:30 Uhr im Café Anno, Lerchenfelderstraße 132, 1080 Wien.

El Awadalla geboren 1956, aufgewachsen in Nickelsdorf/Burgenland. Sie ist Autorin, Herausgeberin, Slam Poetin, Millionenshow-Gewinnerin, Kulturveranstalterin, Kabarettistin, mehrfache Literaturpreisträgerin, Bundespräsidentschaftskandidatin, leidenschaftliche Raucherin uvm.

Die Köhlmeier Rede

Artarium am Sonntag, 20. Mai um 17:06 Uhr – Michael Köhlmeier hat also eine Rede gehalten. Und zwar anlässlich des “Tags gegen Gewalt und Rassismus”, einer vom österreichischen Nationalrat alljährlich abgehaltenen Gedenkfeier, die sich auf die Befreiung des KZ Mauthausen am 5. Mai 1945 bezieht. Und in dieser Rede hat der Schriftsteller, wie es seit Jahrzehnten seine Art ist, das Entstehen von Gewalt – durch die Beobachtung von oft unbeachteten Details – dargestellt. Dass er dabei aber nicht in der Vergangenheit verblieb, sondern einzelne Zitate von aktuell regierenden Politikern aufgriff, das wird ihm seither (vor allem von denselben) heftig vorgeworfen. Multimedial überschlägt sich “die Öffentlichkeit” mitsamt Armin Wolf und es wird vor lauter Pro und Contra immer schwieriger, das Eigentliche zu fassen.

michael köhlmeier im kontrastWer die Stationen dieser Erregung hier noch einmal zusammengefasst nachvollziehen mag, kann sich den Artikel von Kontrast.at zu Gemüte führen (Foto von Johannes Zinner© Parlamentsdirektion). Ich habe die Nutzungsbedingungen verstanden und akzeptiert etcetera blabla. Aber eigentlich wollte ich doch auf etwas viel Wesentlicheres verweisen, auf jenes Entstehen von Ausgrenzung und Gewalt, wie es Michael Köhlmeier schon immer beobachtet und aufgezeigt hat: In seinem vor 35 Jahren entstandenen Hörspiel “March Movie” (runterscrollen, bis der Titel in Rot erscheint, dort gibts dann die Inhaltsangabe und auch einen Stream) deckt ein engagierter Eisenbahner nach Jahren das spurlose Verschwinden einer ganzen Blaskapelle auf. Doch anstatt, dass ihm dafür etwa gedankt würde, geht die gesamte Gesellschaft, die das Verschwundensein all dieser Menschen nicht wahrhaben will, brutal gegen ihn vor, stellt seine geistige Gesundheit in Frage und macht ihn so zum Außenseiter. Völker, hört die Parallelen! Und jetzt gehen die Mehrheitsnormalen auf Köhlmeier selbst los, weil er ihnen unangenehme Zusammenhänge ausspricht. Es erinnert geradezu grotesk an Thomas Bernhard und den Staatspreis-Skandal 1968.

Die “Brüskierten” entlarven sich selbst – durch ihre jeweiligen Reaktionen. Es gibt im Grunde eh nur zwei Arten von Menschen: Die, die von ihren eigenen Empfindungen ausgehen und so zu einer Anschauung der Welt gelangen. Und die, deren Programm eine vorgefertigte Weltanschauung ist und die daher auf alles und jedes nur ein und dieselbe Antwort geben (wenn auch immer wieder leicht variiert). In unserem Fall eben AusländerflutBalkanrouteSozialschmarotzer. Ist das nicht gefickt eingeschädelt?

Benjamin Schmalhart aka. Benji | Benji und „Freunde“

Sonntag, 20. Mai 2018, ab 20:30 Uhr im Café Anno, Lerchenfelderstraße 132, 1080 Wien.

1 Jahr Wien, 8 Jahre Poetry Slam, 26 Jahre purer menschenverachtender Exzess. Ja, Benji kann auf eine gewaltige Karriere zurückblicken und das muss natürlich im Anno zelebriert werden. Feiern kann man nicht alleine, deshalb hat er ein paar seiner engsten Freunde gebeten, vorbeizukommen und seine Texte neu zu interpretieren. Ob das was wird, ist fraglich, aber sehet selbst, wenn u.A. Elias Hirschl, Mieze Medusa, Janea Hansen und Ksafa versuchen aus dem Wahnsinn irgendeinen Sinn rauszupressen.

Benjamin „Benji“ Schmalhart, 1991 in Linz geboren, schreibt absurde meist satirische Texte für die Bühne und diverse Publikationen. Seit 2017 lebt und stirbt er in Wien.

Frau Nowak’s Transorientalischer Minibus

Smile
(C) Selina Nowak

Von 2009 bis 2016 lief im Programm der Radiofabrik Salzburg eine Musiksendung die sich der internationalen Nischenszene, dem global-subkulturellen Underground und den hierzulande leider oft übersehenen Perlen widmete, ohne dabei allzu sehr in den ethnokitsch abzutriften. Die Rede ist von Frau Nowak’s Transorientalischem Musikexpress unter der Schirmherrschaft der schönen Frau Selina Nowak herself, vormals Studentin der Arabistik, Radiojournalistin, Malerin, Wrestlerin (als Zelina Power) und einer der Köpfe von MY Sound Of Music, mit dem die Macher des mosaik vor einigen Jahren das alternative Freilichtkino Zur schreienden Nachtigall initiiert haben.

Für die zweite Staffel von Radio du Grand Mot kehrt sie in kleinerem Format zurück, nämlich der Rubrik Frau Nowak’s Transorientalischer Minibus.

 

Ein Album zum Muttertag

Artarium am Sonntag, 13. Mai um 17:06 Uhr – Der Muttertag ist allgemein eine höchst ambivalente Angelegenheit. Ebenso wie das Verhältnis zwischen Müttern und ihren Kindern von der Gleichzeitigkeit gegensätzlicher Erfahrungen geprägt wird. Am Anfang war die Geburt, und allein dieser Beginn unseres eigenen Lebens kann schon lebensgefährlich sein. Von da an findet jegliche Entwicklung zwischen krassen Gegensatzpaaren wie Festhalten und LoslassenResonanz und AbgrundSelbstbehauptung und Verbundenheit statt (um hier nur einige davon anzudeuten). Die Seelenbühne unseres Entstehens ist meist Heimat und Schlachtfeld zugleich. Inwieweit der herkömmliche Muttertag zur rituellen Bearbeitung dieser Ambivalenztaugt, darf bezweifelt werden. Margit Schreiner empfiehlt eher seine Abschaffung.

Kuh zum MuttertagEs ist wohl auch kein Zufall, dass der Film Muttertag (Die härtere Komödie) von Harald Sicheritz inzwischen zur Kultdarstellungdesselben geworden ist. Sobald Widersprüchliches im Spiel ist, sind (speziell in Österreich) die Humorist_innen dafür zuständig. Also, was spielen wir in dieser Sendung – und warum die Kuh? Naturgemäß wollen auch wir die Mehrschneidigkeit des gegebenen Anlasses abbilden und greifen daher tief in den Fundus der emotionalen Assoziationen. Zum einen mit einem Klavierkonzert von Philip Glass, dem Tirol Concerto in 3 Movements, welches die Tirol-Werbung im Jahr 2000 in Auftrag gab – und später in einem Naturfilm-Soundtrack verbraten hat. (Da ist sie, die glückliche Kuh!) Das knapp halbstündige Instrumentalwerk für Klavier und Streichorchester ist eine meiner Lieblingsmusiken beim Schreiben, weil es sich gleichzeitig nicht aufdrängt und doch Energie von innen heraus freisetzt. Und zum anderen mit einer Lesung von Elias Hirschl aus seinem Roman “Hundert schwarze Nähmaschinen”, in dem er eigene Erlebnisse als Zivildiener in einem Wohnprojekt für psychisch kranke Menschen wiedergibt, diesfalls aus Kapitel 5 (Frau Brandner).

Es ist fürwahr nicht einfach, inmitten von unmittelbarem Betroffensein und ironischer Distanz (auch zu sich selbst) die Balance zwischen Faszination und Verzweiflung zu wahren, handelt es sich dabei doch um einen Ritt auf des Rasiermessers Schneide. Oder eben um einen Tanz zwischen Nähe und Distanz, wie er ja jegliche Beziehung in all ihrer Ambivalenz charakterisiert. Elias Hirschl schafft diesen Spagat sogar sehr sympathisch, wie unser Mitschnitt von den Kritischen Literaturtagen 2017 beweist.

Eine ähnlich gelungene Verbearbeitung von psychiatrischen Zivi-Erlebnissen bietet auch noch Rainald Grebe – Gilead (Gottseidank, ich bin entmündigt, Fotzefotzefotze)

Alles Liebe zum Muttertag oder Ich scheiße goldene Atomeier!

das salzburger kunstkollektiv